Orgel von Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder), 1890.
Nach der Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Altenessen 1875, die in einer 1873 errichteten Notkirche Gottesdienste feierte, wurde am 21. August 1887 der Grundstein zur heutigen evangelischen Kirche am Karlsplatz in Altenessen gelegt. Die Pläne dazu stammten aus der Feder der Essener Architekten Nordmann und Flügge.
Der neugotische Bau wurde 1890 fertiggestellt und am 5. Oktober des Jahres eingeweiht. Nachdem die Kirche im Zweiten Weltkrieg nur geringe Schäden erlitten hatte, fanden 1964 Umgestaltungsmaßnahmen im Kirchenraum statt, und in den Jahren 1985–89 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes. 2000–04 wurde die Kirche von außen saniert. Ihren Namen „Alte Kirche“ erhielt das Gotteshaus am Karlsplatz als Unterscheidung zu der 1955 erbauten Trinitatiskirche, die bis 2004 als Gottesdienststätte aufgegeben wurde.
Die bis heute in der Alten Kirche erhaltene Orgel gehört noch zu deren Grundausstattung. Sie stammt von der renommierten Orgelbauanstalt Wilhelm Sauer in Frankfurt/Oder. Das Opus 531 der Firma erhielt 23 Register auf mechanischen Kegelladen.
Die Abgabe des Zinnpfeifenprospekts für die Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg war nur ein geringer Eingriff in die Substanz des Instruments. Umfassender war der elektropneumatische Umbau durch Paul Faust (Schwelm) im Jahr 1949, bei dem auch die Disposition verändert und auf 25 Register plus eine Windabschwächung erweitert wurde. Faust lieferte auch einen neuen Spieltisch.
1989/90 führte die Orgelbauwerkstatt Kreienbrink aus Osnabrück eine Renovierung und teilweise Rückführung auf den Originalzustand durch. Die elektrische Traktur und der freistehende Spieltisch von Faust wurden aus Kostengründen beibehalten. Einige Register wurden nach Mensuren der Fa. Sauer rekonstruiert.
2017 erfolgte eine weitere Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Rieger aus Schwarzach in Vorarlberg. Nun konnte die Originaldisposition vollständig wiederhergestellt werden. Auch der Spieltisch nach dem Vorbild Sauers mit Blickrichtung zum Altar wurde rekonstruiert und die Traktur auf das mechanische Kegelladensystem zurückgeführt.
Rund 90 % des Pfeifenbestands sind original erhalten. Damit gehört die Altenessener Sauer-Orgel zu den herausragenden romantischen Orgeldenkmalen des Ruhrgebiets und ist die älteste vollständig erhaltene Orgel auf Essener Stadtgebiet.
I. MANUAL | C–g³
Bordun 16'
Principal 8'
Flûte Harmon. 8'
Gedackt 8'
Viola di Gamba 8'
Octave 4'
Rohrfloete 4'
Cornet 3–4f. 4'
Mixtur 4f. 2'
Trompete 8'
Manualkoppel
II. MANUAL | C–g³
Liebl. Gedackt 8'
Principal 8'*
Rohrfloete 8'
Salicional 8'
Aeoline 8'
Voix Céleste 8' [ab cº]*
Fugara 4'*
Traversfloete 4'
* = 2017 rekonstruiert
PEDAL | C–f¹
Contrabass 16'
Subbass 16'
Oktave 8'
Violoncello 8'*
Posaune 16'
Koppel II–P
Koppel I–P
Forte und Tutti als Einhaktritte.
Mechanische Kegellade.
I. MANUAL | C–g³
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Viola di Gamba 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Oktave 2'
Sesquialter 2f.
Mixtur 4f. 2 2/3'
Trompete 8'
Koppel II–I
Oberoktavkoppel II–I
Tremolo
II. MANUAL | C–g³
Salicional 8’
Rohrflöte 8’
Voix Céleste 8’
Praestant 4’
Traversflöte 4’
Nasat 2 2/3’
Schwiegel 2’
Oboe 8’
PEDAL | C–f¹
Contrabass 16’
Subbass 16’
Zartbass 16’ [WA]
Oktavbass 8’
Bassflöte 8’
Choralbass 4’
Rauschpfeife 2f. 2 2/3’+2’
Posaune 16’
Koppel II–P
Koppel I–P
Freie Combination, Crescendo-Walze mit Absteller und Uhr, HR ab, Piano-Pedal (frei einstellbar), Tutti, Rohrwerke ab, Voltmeter.
Elektropneumatische Kegellade.
(Fotos vor der Restaurierung 2017)
D-45329 Essen-Altenessen | Altenessener Straße 423
Quellen und Literatur: Kirchengemeinde ⋄ Orgelbau Rieger ⋄ Eigener Befund.
Nr. 304 | Diese Orgel habe ich am 22.06.2008 im Rahmen eines Konzerts gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 28.03.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/25